Die Neger-Fans und ihre Sprüche

Jetzt offiziell prämiert: Die zehn garantiert dümmsten „Argumente“ in der Diskussion um das Logo der Mainzer Dachdeckerfirma Thomas Neger GmbH.

Eigentlich ist es ja ganz nett, eine Diskussion nur aus der Ferne zu betrachten und sich ansonsten zurück zu halten. Doch was an „Argumenten“ (ja, die Anführungszeichen müssen sein) in der Diskussion um das Logo vorgebracht wird, ist teilweise haarsträubend und auf jeden Fall aufschreibenswert. Die genannten Punkte schaden einer sachlichen Debatte. Die Beispiele habe ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht, sondern sinngemäß Kommentaren bei Facebook entnommen. Auf los geht’s los!

Platz 10: Unsachliche Schmähungen
Beispiele: „Linke Schreierei“, „Gutmenschentum“, „Maos Kulturrevolution“, „Habenichtse“, „Möchtegern-Intellektuelle“, „Grün-linke Gendergeneration“ etc. etc. etc. etc. etc.
Wenn einem noch nicht mal mehr halbseidene Argumente einfallen, dann greift man zur Keule. Denn am Ende wird eine Diskussion ja immer dadurch entschieden, wer die übleren Schimpfworte benutzt hat und wer nur so viel Dreck werfen konnte, dass auch garantiert etwas hängen bleibt. Diese Vorgehensweise beantwortet dann aber immer noch nicht die Frage, ob die „Gutmenschen“ in dieser Sache vielleicht ausnahmsweise mal recht haben könnten.

Platz 9: Die Relevanz-Keule
Beispiele: „Gibt es nichts wichtigeres?“ oder auch „Haben wir nichts besseres zu tun?“
Das Totschlagargument schlechthin für jede Diskussion, denn was wie wichtig ist liegt im Auge des Betrachters und deswegen wird man zu jedem Thema Leute finden, denen andere Dinge wichtiger sind. Die Frage ist dann nur: Warum haben diese Leute genug Zeit, um uns an dieser Erkenntnis teilhaben zu lassen? Offensichtlich haben Sie dann doch nichts „wichtigeres“ zu tun, als sich an der ach so unwichtigen Diskussion zu beteiligen.

Platz 8: Die Zeit hat immer Recht!
Beispiele: „Das Logo gibt es doch schon ewig!“ oder „Wieso hat sich früher niemand daran gestört?“
Auch immer wieder gerne benutzt. In anderen Diskussionen auch gerne als „Das machen wir doch immer schon so!“ Gewohnheit macht Dinge nicht wahrer oder richtiger. Die Menschheit oder Teile davon haben jahrzehntelang in Höhlen gehaust, Sklaven gehalten oder Frauen das Wahlrecht verwehrt. Und seltsamerweise hat man all dies und tausende Dinge mehr trotz seiner Bewährtheit irgendwann aufgegeben. Meiner Meinung nach zu Recht! Beweiskraft von Dingen, die man schon ewig so tut: Null!

Platz 7: Der absurde Nebenkriegsschauplatz!
Beispiele: „Er kann seinen Namen nicht ändern!“ oder „Als nächstes soll er wohl seinen Namen ändern!“
Dinge ins Spiel zu bringen, die kein Mensch je gefordert hat, um die Diskussion ins Lächerliche zu ziehen, ist auch eine beliebte Taktik. Niemand hat je eine Namensänderung gefordert und niemand kann und will Thomas Neger zu einer Namensänderung zwingen. Der Vorwurf des Rassismus richtet sich alleine gegen das Logo, nicht gegen den Nachnamen.

Platz 6: Alles von langer Hand geplant
Beispiele: „Man will dem Unternehmen schaden!“,  „Man will eine Existenz vernichten!“ oder auch „Die Diskussion gibt es erst, seitdem er im Stadtrat sitzt!“
Die Verschwörungstheorien die dadurch zum Ausdruck gebracht werden, gehen vor allem in die Richtung, dass die Diskussion nur deshalb geführt würde, weil Thomas Neger in der Kommunalpolitik in Mainz ein Mandat innehat. Nicht abzustreiten ist wohl, dass Thomas Neger durch seine politische Tätigkeit – noch mehr – in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht. Doch die Debatte wird eben nicht nur durch politische Akteure bestimmt, sondern auch durch Wissenschaftler, die sich, dass muss man wohl attestieren, eindeutig und unmissverständlich auf die Seite der Kritiker schlagen. Daher muss man festhalten: Selbst wenn die Debatte politische Ursachen haben sollte, so scheint davon unabhängig an dem Sachverhalt etwas dran zu sein.

Platz 5: Minderheitenrechte gibt es nicht.
Beispiele: „Eine kleine Gruppe stört sich…“ oder auch „Die Mehrheit entscheidet.“
Wie viele Menschen von etwas betroffen sind oder einen Sachverhalt vorbringen, lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Wichtigkeit des Themas zu. Daher kann man auch nicht aufwiegen, wer jetzt mehr Menschen hinter sich bringen kann. Entweder das Logo ist rassistisch oder es ist es nicht. Übrigens haben wir zwar in Deutschland eine Demokratie und die Mehrheit entscheidet, aber das alles eben in den Grenzen des Grundgesetzes, wo Menschenrechte eben für alle gelten und nicht nur für die Mehrheit.

Platz 4: Aber die anderen machen das doch auch.
Beispiele: „Teilweise gibt es noch Mohrrüben oder Negerküsse zu kaufen“ oder „Was ist mit dem Sarotti-Mohr?“
Die in Diskussionen auch überaus beliebte „Gleichheit im Unrecht“. Wenn die in Syrien unschuldige Leute abknallen, dann dürfen wir das doch hier auch. Wenn der eine Bank überfallen kann, dann darf ich das auch. Wenn die falsch parkt, muss ich mich auch nicht um das Halteverbot kümmern. Hat es schon Klick gemacht oder soll ich weitere Beispiele bringen? Nur weil irgend jemand etwas unschönes oder gar unrechtes tut, berechtigt das niemanden, das gleiche zu tun.

Platz 3: Aber er hat es doch gar nicht böse gemeint.
Beispiele: „Bei der Gestaltung hatte Ernst Neger sicher keine rassistischen Hintergedanken!“ oder auch „Ernst Neger ging es sicher nicht darum, jemanden zu verletzen!“
Niemand hat Ernst Neger je eines von beidem vorgeworfen. Aber wie wir aus der Kommunikationswissenschaft wissen, kommt es nicht nur darauf an, was gesagt werden sollte, sondern auch wie die Botschaft beim Empfänger ankommt. Unzweifelhaft wird das Logo von vielen Menschen als rassistisch „empfunden“ und daran ändern die (unterstellten) Intentionen von Ernst Neger rein gar nichts.

Platz 2: Wir können eh nichts ändern.
Beispiel: „Thomas Neger hat sich entschieden und daher können wir die Diskussion beenden!“
Tatsächliche oder angebliche Missstände einfach als gegeben hinzunehmen ist niemandem anzuraten. Wenn das Logo tatsächlich rassistisch ist, dann kann und sollte die Diskussion darüber nicht beendet werden. Nur weil China die Menschenrechte missachtet und sich Einmischungen verbittet, sollte dennoch immer wieder darauf hingewiesen werden. Das ist anstrengend und kostet Kraft, aber Resignation hat noch niemandem weitergeholfen.

Platz 1 und damit das absolut „dümmste“ Argument in der Diskussion um das Logo: „Je suis Thomas Neger!“
Entschuldigung, ab jetzt wird es geschmacklos! In Paris sind 11 Personen in der Redaktion von Charlie Hebdo mit Maschinenpistolen regelrecht hingerichtet und mehrere weitere verletzt worden. Dabei ging es auch um einen Angriff auf die Pressefreiheit. Danach gab es fünf weitere Tote (vier davon alleine in einem jüdischen Supermarkt) und weitere teilweise Schwerverletzte. Wer dies alles mit der Diskussion um das Logo vergleicht, hat – Entschuldigung nochmal – nicht mehr alle Latten am Zaun (oder auf dem Dach).

Übrigens noch ein letztes: Die Einschätzung ob das Logo rassistisch ist oder nicht, sollten Fachleute entscheiden. Unter anderem dafür haben wir die nämlich! Diese sitzen in Fachhochschulen und Universitäten. Die meisten, die sich aktuell jedoch zum Logo äußern, haben von Rassismus – wie ich selbst übrigens auch – keine Ahnung, geschweige denn, haben sie Rassismus je erlebt. Sich dann anzumaßen, einfach mal ein „Also ich finde es nicht rassistisch!“ hinzuschnoddern, finde ich dreist und anmaßend.

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5 Gedanken zu “Die Neger-Fans und ihre Sprüche

  1. C schreibt:

    Ich finde Ihre Auflistung schadet einer sachlichen Diskussion ebenso wie die meisten der gelisteten Argumente und hilft kein bisschen weiter.
    Dass sich der Vorwurf des Rassismus nur gegen das Logo richtet ist schlicht falsch, denn das Logo alleine ist nicht rassistisch, sondern wird es erst in Verbindung mit dem Nachnamen. Dazu haben sich die „Fachleute“ auch bereits geäußert.
    Dem Großteil der Logo-Befürworter geht es darum hinter Thomas Neger zu stehen und Solidarität zu zeigen gegen die Art und Weise WIE man versucht ihn dazu zu zwingen, das Logo zu ändern. Ihn als Rassisten zu beschimpfen und in Mainz Aufkleber zu verteilen mit seinem Bild und dem Hinweis, dass so Rassismus aussähe, empfinde ich als weitaus schlimmer als das Logo in Verbindung mit dem Namen. Das ist eine Hetzjagd und weit entfernt von einer zielführenden Diskussion über die Sensibilisierung für das Thema Rassismus im Alltag.
    Und genau gegen eine solche Hetzjagd finde ich das Statement „Je suis Neger“ durchaus angebracht, denn es wird versucht – im Schutz der Anonymität – auf eine sehr aggressive Art und Weise – auf dem Rücken eines Menschen (der nicht mal der Einzige ist, der das Logo benutzt) – etwas mit aller Macht durchzusetzen, ohne Rücksicht darauf, welche Kollateralschäden man damit womöglich anrichtet.
    So führt man keine Diskussion!

    • Sie haben es offensichtlich nicht verstanden und bei diesem Stand der Diskussion wollen Sie es wohl nicht verstehen. Ich nehme das mit Bedauern zur Kenntnis.

  2. C schreibt:

    Danke für Ihre Antwort. Im Interview mit der AZ wir der Institutsleiter der Ethnologie, Prof. Matthias Krings wie folgt zitiert: „Das Problem ist die Aufladung des Familiennamens mit der despektierlichen Bezeichnung für Menschen afrikanischer Herkunft. Erst die Schleife über das Logo macht diese Aufladung möglich: Neger ist kein neutraler Begriff. Er gilt für einen Menschen afrikanischer Herkunft, wurde in der kolonialen Zeit geprägt und ist mit negativen Konnotationen verbunden.“ und in der Stellungnahme des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz zur Debatte um das Logo der Firma Neger wird ebenfalls auf eine Verbindung des Namens mit dem Logo hingewiesen. Es wird jedoch auch deutlich von einer kolonialen Bildsprache gesprochen, da widerspreche ich Ihnen nicht.

    Aber glauben Sie, dass die ‚breite Masse‘ dadurch für das Thema Rassismus und die lange überholte Vorstellung der Menschenrassen sensibilisiert wird und versteht, dass nach Forschungen zur Genetik menschlicher Populationen das Konzept der Menschenrasse wissenschaftlich überholt ist, (obwohl Anthropologen und Humangenetiker vor allem in den USA den Begriff weiter verwenden) indem man sich den, in Mainz bekannten und beliebten, Geschäftsführer einer (von zwei) Firma/en raussucht, die eben dieses Logo tragen, und diesen öffentlich als Rassisten anprangert??? Bei dem, was ich im Netz so lese habe ich den Eindruck, dass, sollte eine Sensibilisierung gegen das Thema Rassismus das Ziel gewesen sein, so wurde es weit verfehlt. Wundert mich nicht bei der Vorgehensweise.

    Das Logo mag überholt und ethisch nicht korrekt sein, das ist das eine, aber die Art und Weise wie gegen diesen Mann gehetzt wird, wie versucht wird ihn massiv dazu zu zwingen das Logo zu ändern, nur weil es ihm schwer fällt zu verstehen, was manch andere Menschen, die nicht mit diesem Logo quasi als Familiensymbol aufgewachsen sind, darin sehen, das ist eine Art und Weise die ich als weitaus schlimmer, erschreckender und verabscheuungswürdiger erachte als ein übrig gebliebenes Logo aus einer Zeit in der man es eben noch als ethisch nicht verwerflich sah. Es war von der Familie noch nie als Symbol gegen Schwarze gemeint und ist es auch heute nicht. Es sind, meines Wissens nach, auch keinerlei rassistische Handlungen von der Familie bekannt und Herr Thomas Neger war wohl zu Beginn des Diskussion auch durchaus offen für sachliche Gespräche. Seiner Aussage nach kamen aber nur zwei, die sich gegen das Logo aussprachen, jedoch 20, die nicht mit den aktuellen Ethnologiekonzepten vertraut sind, die das Logo halt „nicht schlimm“ fanden. Deshalb hat er das Thema ruhen lassen und soll nun deswegen ein Rassist sein? Puh.. Herr wirf Hirn vom Himmel.

    Mal völlig abgesehen von der Diskussion um das Logo dieser Firma.. Wie schaut denn eine ethisch korrekte stilisierte Darstellung eines Schwarzen aus, die nicht als rassistisch empfunden wird? Oder die eines Asiaten? Was wäre denn eine dem heutigen Stand der Ethnologie angemessene Bildsprache?

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