Warum die DAH richtig liegt!

Am 24. November 2014 verkündete die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH), dass sie ab sofort keine Anzeigen mehr in der Zeitschrift MÄNNER oder deren Homepage mehr schalten wird. Dies wurde u.a. damit begründet, dass deren Chefredakteur David Berger mit teils rechtspopulistischen Aussagen provoziere und in der Zeitschrift würde auch teilweise schwulen Männern die Schuld an ihrer Diskriminierung gegeben.

Diese Pressemitteilung wurde daraufhin kontrovers diskutiert. Ich möchte hier nicht über das „Wie“ des Vorgehens der DAH sprechen, denn zwischen freier Meinungsäußerung einerseits und Zensurvorwürfen andererseits liegt ein schmaler Grat, der wohl auch bei jedem anderen Vorgehen zu Kritik geführt hätte. Mit diesem Blogartikel möchte ich einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte beitragen und mich einem Artikel widmen, den David Berger am 26. September in der Huffington Post veröffentlichte. Zwar ist dieser als „Glosse“ tituliert, doch lässt sich eindeutig erkennen, welche Stroßrichtung der Artikel hat bzw. welche Meinung Berger vertritt.

Unter dem Titel „Seid tuntig!“ arbeitet sich Berger an der aktuellen Kampagne zum Thema „Akzeptanz in der Szene“ von IWWIT ab. IWWIT wiederum ist ein Projekt der DAH, das sich als Zielgruppe ausschließlich an Männer wendet, die Sex mit Männern (MSM) haben. Ob die Huffington Post das richtige Medium ist um eine Kampagne zu diskutieren, die mit und vor allem für MSM gemacht ist, wäre wohl die erste Frage, über die man diskutieren sollte. Doch weiter im Text. Berger sieht darin eine Aktion gegen Männlichkeit in der Szene, IWWIT widme sich neuerdings Themen außerhalb des Spektrums sexuelle Gesundheit und der neue Schlachtruf, obwohl gar nicht Teil der Kampagne, laute wohl „Seid tuntig! Mehr feminine Schwule!.

Doch Berger irrt. Aufgabe der DAH ist unzweifelhaft die Verhinderung von Infektionen sexuell übertragbarer Infektionen. Dieses Ziel verfolgt sie seit Beginn unter einem ganzheitlichen Ansatz. Risikoverhalten ist nicht nur von mangelnder Aufklärung abhängig, sondern eben auch von Diskriminierung und damit externer sowie internalisierter Homophobie. Ein akzeptierendes Umfeld stärkt somit das Selbstwertgefühl und verringert so letztlich das Risikoverhalten. So erklärt sich auch, dass DAH sowie IWWIT Stellung beziehen für Gleichstellung und gegen Diskriminierung nicht nur in Deutschland, sondern ebenso international. Hass-Propaganda-Gesetz in Russland, Presseratsbeschwerde der Akademie Waldschlößchen, die Diskussion um Bildungspläne und viele weitere Punkte, die auf den ersten Blick nichts mit sexueller Gesundheit zu tun haben, werden aufgegriffen.

Auch IWWIT, obwohl als Zielgruppe nur MSM angesprochen werden, kann einen eigenen Beitrag zu mehr Akzeptanz leisten, denn auch innerhalb der queeren Community wird fleißig diskriminiert. Und dies ist der Grund, warum IWWIT das Thema Akzeptanz in der Szene aufgegriffen hat. Neben dem in Bergers Artikel gezeigten Plakat mit der Aufschrift „Seid tuntig!“, gibt es übrigens weitere Plakate mit den Titeln „Seid spießig!“ und „Seid derb!“. Auf den Plakaten steht übrigens noch mehr, nämlich „Jeder wie er will. Für mehr Akzeptanz in der Szene.“

Mein Fazit: Berger greift IWWIT an, benutzt dafür einen Ausschnitt einer aktuellen Kampagne, verkürzt dieses Plakat auch noch in sinnentstellender Weise, verdreht die Aussage von „Jeder wie er will“ zu „Mehr feminine Schwule“, wirft IWWIT indirekt vor, sich auf Feldern zu betätigen, auf denen es nichts zu suchen habe und verkennt damit den ganzheitlichen Ansatz von DAH und IWWIT. Da ich mir sicher bin, dass man ihm diesen Ansatz gerne erläutert hätte, muss ich wohl davon ausgehen, dass er vor dem Artikel weder IWWIT noch DAH gefragt hat. Und ich unterstelle an dieser Stelle, dass das wohl deswegen nicht geschehen ist, weil damit der schöne Artikel hinfällig gewesen wäre.

Es ist auch klar: Dies ist nur ein Artikel und er erschien (absichtlich?) nicht in der Männer. Aber ich bin wohl nicht der einzige, der eine beunruhigende Tendenz in den Artikeln von Berger erkennt und dann muss der DAH auch erlaubt sein, zu entscheiden, ob sie in dem von Berger verantworteten Medium weiter werben möchte oder nicht.

Advertisements

5 Gedanken zu “Warum die DAH richtig liegt!

  1. WTF schreibt:

    Sehr richtig interpretiert. Berger propagiert sein eigenes Weltbild und verpackt es als ausgewogenen Journalismus. Das kann man an dem von dir zitierten Artikel sehen aber auch an Artikeln in der Männer, an seinen Beiträgen auf theeuropean.de, seinen Facebook-Statements.
    Berger und seine Anhänger wünschen sich ein bestimmtes Bild vom homosexuellen Mann in den Mainstreammedien unterzubringen, sportlich-trainert, maskulin, erfolgreich. Jedem, der diesem Bild nicht entspricht wird sogenannte ‚Bodyphobie‘ attestiert (alt, hässlich, dick) oder in die politisch linke Ecke gestellt. Queer wertet er ab zu Schimpfwort und nicht als zusammenfassenden Begriff der LGBTTIQ*-Bewegung, die gemeinsam ihre Ziele besser vertreten kann.
    Berger beteiligt sich damit aktiv an einer Spaltung der schwulen Community, die schon immer auf tönernen Füßen stand, weil Homosexualität kein Weltbild sein kein. Aber das muss es auch nicht. Ich befürworte gern die Öffnung der Ehe für meine ’spießigen‘ Brüder und Schwestern, auch wenn ich dem Konzept der Ehe gar nichts abgewinnen kann. Das nennt man: „Hoch die homosexuelle Solidarität.“

    P.S. noch ein wort von einer brillianten lesbe: „toleriert werden, nee, das möchte ich nicht, dafür bin ich mir zu schade!“

  2. robertniedermeier schreibt:

    „Risikoverhalten ist nicht nur von mangelnder Aufklärung abhängig, sondern eben auch von Diskriminierung und damit externer sowie internalisierter Homophobie. Ein akzeptierendes Umfeld stärkt somit das Selbstwertgefühl und verringert so letztlich das Risikoverhalten.“ Genau das ist der Punkt den Berger als Verschwendung von Steuergeldern brandmarkt, als politische Einflussnahme denunziert, weil ihm das alles allem Anschein zu „links“ anmutet. Dr. David Berger agiert rechtsreaktionär. Die DAH steht für einen fortschrittlich aufklärerischen Ansatz, Berger hingegen vertritt die Reaktion. Davon muss sich eine Organisation, die sehr wohl immer schon auch politisch agierte, sich zwangsläufig distanzieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s